Schlaganfall: Ein vermeidbares Risiko
In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall – er ist damit eine der häufigsten Ursachen für bleibende Behinderungen und die dritthäufigste Todesursache. Was viele nicht wissen: Ein großer Teil dieser Schlaganfälle wäre durch rechtzeitige Vorsorge vermeidbar gewesen.
Eine der häufigsten Ursachen sind Ablagerungen in den Halsschlagadern – den Gefässen, die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Diese sogenannte Arteriosklerose entwickelt sich schleichend über Jahre, oft vollkommen ohne Beschwerden.
Was ist die Carotis-Duplex-Untersuchung?
Die Carotis-Duplex-Sonographie ist eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern (Arteria carotis). Mit modernster Duplexsonographie lässt sich in Echtzeit sehen, wie stark die Gefässwände verdickt sind, ob sich Ablagerungen (Plaques) gebildet haben und wie stark der Blutfluss beeinträchtigt ist.
Die Untersuchung ist:
- Vollkommen schmerzfrei – kein Eingriff, kein Piks
- Strahlungsfrei – im Gegensatz zu CT oder Röntgen
- Schnell – in der Regel dauert sie 20–30 Minuten
- Präzise – selbst kleine Wandveränderungen werden sicher erkannt
Wer sollte sich untersuchen lassen?
Besonders empfohlen wird eine Vorsorgeuntersuchung der Halsschlagadern, wenn einer oder mehrere der folgenden Risikofaktoren vorliegen:
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Hypercholesterinämie)
- Diabetes mellitus
- Aktives Rauchen oder langjähriger Nikotinabusus
- Übergewicht (BMI > 30)
- Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Familie
- Alter ab 50 Jahren – auch ohne weitere Risikofaktoren
Aber auch ohne konkrete Risikofaktoren kann ein Screening sinnvoll sein – denn Arteriosklerose beginnt oft früher als gedacht.
Was passiert, wenn eine Verengung gefunden wird?
Wird bei der Untersuchung eine Verengung (Stenose) oder ein Plaque entdeckt, heißt das nicht zwingend, dass sofortiges Handeln erforderlich ist. In vielen Fällen reicht eine engmaschige Verlaufskontrolle aus, kombiniert mit Anpassungen im Lebensstil und ggf. medikamentöser Unterstützung.
Bei deutlichen Stenosen (mehr als 50–70 % Einengung des Gefässlumens) kann eine Weiterüberweisung an einen Gefässchirurgen oder Neurologen sinnvoll sein. Der entscheidende Vorteil: Durch die Früherkennung bleibt Zeit für eine geplante, kontrollierte Behandlung – nicht für eine Notfallintervention nach einem Schlaganfall.
Mein Fazit als Internistin
Ich sehe täglich, wie wichtig dieses einfache, unschädliche Screening ist. Eine Carotis-Untersuchung dauert keine halbe Stunde – und kann Jahrzehnte bedeuten. Wer zu den Risikogruppen gehört, sollte nicht warten, bis Symptome auftreten. Symptomlos ist in der Gefässmedizin leider oft kein Zeichen von Gesundheit, sondern ein Zeichen, dass das Problem noch nicht groß genug ist, um wahrgenommen zu werden.
MUDr. Gabriela Esmaaiel
Fachärztin für Innere Medizin · Internistische Gefässdiagnostik Hameln
